Mühlhiasl

Der Waldprophet Mühlhiasl: Legende und Visionen aus dem Bayerischen Wald

Der Überlieferung nach soll es sich beim Mühlhiasl, dem bekannten Weissager und Propheten aus dem Bayerischen Wald, um den Müllerssohn Mathias oder Matthäus Lang aus Apoig handeln. Da sein Name jedoch in keinem zeitgenössischen Dokument als Seher auftaucht, ist seine Identität in der Heimatforschung äußerst strittig. Demnach wurde er am 16. September 1753 oder am 28. April 1755 geboren, übernahm 1778 die väterliche Klostermühle, heiratete 1788 Barbara Lorenz und hatte mit ihr acht Kinder. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten verlor er um 1801 den Pachtvertrag. Aus Wut auf die Chorherren machte er seine erste Prophezeiung über das baldige Verlassen des Klosters, was 1803 bei der Säkularisation eintraf. Danach soll er als Wanderarbeiter, Hirte und Kohlenbrenner gelebt haben und starb je nach Quelle zwischen 1805 und 1825.

Seine Visionen äußerte er ausschließlich mündlich, oft gegenüber Hirten, Knechten und Bauern. Seine Vorhersagen waren vieldeutig und sinnbildlich. Zu seinen bekanntesten Voraussagen gehört die Ankündigung eines kommenden, letzten Krieges, den er als „Bankabräumer“ bezeichnete, gefolgt von einem zweiten und dritten Krieg, nach denen ein goldenes Zeitalter anbrechen soll. Auch den ungefähren Beginn der beiden Weltkriege soll er vorausgesagt haben. Das Herannahen dieser Zeiten knüpfte er an konkrete, bildstarke Vorzeichen: Der große Krieg fange an, „wenn der eiserne Hund durch den Vorderwald bellt“. Weitere Zeichen seien eine Zeit, in der man Sommer und Winter nicht mehr unterscheiden kann, es nur noch rote Hausdächer gibt und „einerlei Geld“ aufkommt.

Zudem sah er gesellschaftliche Veränderungen voraus: Man werde „Mandl und Weibl nimmer auseinanderkennen, da Frauen Hosen statt Röcke tragen und Kurzhaarschnitte haben, und es werden sogenannte „Rabenköpf“ als Frisurenmode aufkommen und wieder verschwinden. Auch prophezeite er, dass einmal Tanzmusik in die Kirchen kommt und der Pfarrer mitsingt. Am Himmel werde ein „großer Fisch über den Wald“ fliegen. Neben dem großflächigen Absterben der Bäume, bei dem der Wald durch Krankheit so licht werde „wie des Bettelmanns Rock“, äußerte er sich auch gesellschaftskritisch: „Es wird sich zeigen, dass der Bettelmann auf dem Ross nicht zu derreiten ist“, was auf den Machtgewinn benachteiligter Schichten hindeutet, die ihre Position dann nicht mehr abgeben.

Ob es diese Prophezeiungen wörtlich oder auch nur sinngemäß jemals gegeben hat, lässt sich heute nicht mehr belegen. Obwohl der Mühlhiasl im Bereich historischer Seher bis heute sehr präsent ist und die Menschen der Region seine Zitate kennen, gibt es unter Volkskundlern erhebliche Zweifel an seiner Existenz als reale Person.

Dennoch hält die bayrische Region die Erinnerung aufrecht: In Hunderdorf im Landkreis Straubing-Bogen erinnert der Mühlhiasl-Weg im Ortsteil Apoig an ihn.

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